Rechtschreibfehler – schlechte Eigenwerbung?

Schon längere Zeit möchte ich in meiner Wohnung die eine oder andere „Verschönerungsarbeit“ durchführen lassen. Als mein Vermieter vor Jahr und Tag mein heutiges Badezimmer gefliest hatte, war alles fein. Nun aber sind die Kacheln in die Jahre gekommen, die Armaturen und sanitären Objekte sind auch nicht mehr das, wovon ich träume, und alles in allem hat das Ganze – sagen wir mal – den maroden Charme von Venedig, der mich an den verblassten Glanz vergangener Tage erinnert.

Oder, in der Sprache der Handwerker ausgedrückt: Das Badezimmer zeigt klare Anzeichen für einen in der Tat vorhandenen Reparaturstau. Was es kosten würde, selbigen nach meinen Wünschen zu beseitigen, darüber sollten mir die Kostenvoranschläge Aufschluss geben, die ich bei zwei Fachfirmen in Auftrag gegeben hatte.

Abgesehen davon, dass sich die beiden Angebote inhaltlich und preislich nicht viel taten, so gab es einen ganz wesentlichen Unterschied: Das erste Angebot war in Bezug auf Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung fehlerfrei. Im zweiten wurden mir fruendliche Grüße übermittelt, und dass war an einer Stelle mit zwei ss geschrieben statt mit nur einem.

Hmm….und wenn schon… in diesem Zusammenhang sind Rechtschreibfehler doch piepegal, oder?

Rechtschreibfehler – ein Zeichen von weniger Kompetenz?

Meine Freundin Camilla hat da eine ganz eigene Ansicht……  „Deinem Adlerauge entgeht aber auch nicht der geringste Flüchtigkeitsfehler“ – bemerkt sie mit leicht hochgezogener Augenbraue, als ich ihr bei einer Tasse Kaffee von den beiden Angeboten erzähle. Und ergänzt, dass diese Schreibfehler ja nun weiß Gott nichts über die fachliche Kompetenz dieses Handwerksbetriebes aussagen. Schließlich will ich ja nicht mein neues Buch Korrektur lesen lassen, sondern es geht um die Sanierung meines Badezimmers. (Ganz unrecht hat sie damit ja nicht…..)

Und dennoch: Obwohl ich weder das eine noch das andere Unternehmen kenne, und obwohl rein fachlich gesehen das Eine mit dem Anderen tatsächlich überhaupt nichts zu tun hat, räume ich unwillkürlich dem Handwerker, dessen Angebot in der Rechtschreibung fehlerhaft war, die geringere fachliche Kompetenz ein.

„Rechtschreibfehler ist ja nicht Rechtschreibfehler!“

Natürlich ist Fehler nicht gleich Fehler. Es gibt Rechtschreibfehler, die aus Unwissenheit gemacht werden. Und es gibt – die sogenannten Flüchtigkeitsfehler, die in der Eile entstehen.

Und zweifelsfrei ist es – verglichen mit dem Sanitärmeister – nochmals anders zu bewerten, wenn sich die Sekretärin in ihrem Bewerbungsschreiben mit fruendlichen Grüßen verabschiedet. Schließlich wird selbige genau damit ihr Geld verdienen, dass sie fehlerfreie Dokumente erstellen soll.

Bin ich also im Falle des Sanitärmeisters einfach nur pingelig, weil mein Auge im Vergleich zu dem von Otto-und-Ottilie-Normal-Verbraucher(in) auf Rechtschreibfehler besonders geeicht ist?

Fazit:

Pingelig hin oder her, für mich bleibt es dabei: Egal, wer die Schreiberin oder der Schreiber des Dokumentes ist……unabhängig davon, welchen Zweck sie oder er damit verfolgt….und egal, ob es sich um einen Fehler aus Schludrigkeit oder aus Unwissen handelt: Sie haben immer die gleiche Auswirkung:

Rechtschreibfehler sind grundsätzlich eine schlechte Eigenwerbung!

Bleibt noch die Frage: Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema?

Lassen Sie mich doch wissen, wie Sie darüber denken – entweder auf facebook oder in einer persönlichen Nachricht!

Einen schönen Sommertag für Sie!

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